Zu unterscheiden ist zwischen symmetrischen und asymmetrischen
Verschlüsselungsverfahren [500].
Bei symmetrischen [501]
Verfahren werden für die Verschlüsselung und die Entschlüsselung
dieselben Schlüssel verwendet.
Derjenige, der verschlüsselt, und derjenige, der
entschlüsselt, müssen sich also gegenseitig den Schlüssel
bekanntgegeben haben. Wenn es nur einen begrenzten Kreis von Kommunikationspartnern
gibt, ist es einfach, sich von vornherein über Schlüssel zu verständigen.
Ist der Kreis nicht begrenzbar, so müssen Verfahren der Schlüsselgenerierung
und -verteilung gefunden werden, die bei Bedarf die an der Kommunikation
Beteiligten mit den nötigen Schlüsseln versorgen. Diese Bereitstellung
von Schlüsseln muß ihrerseits so vertraulich geschehen, daß
Dritte dies nicht aufdecken können. Der bekannteste symmetrische Verschlüsselungsalgorithmus
ist der DES-Algorithmus, der z.B. im Bankenverkehr verwendet wird.
Es stellt sich allerdings beim verschlüsselten
Verkehr die Frage, warum der sichere Kanal, der zum Austausch der Schlüsseln
verwendet wurde, nicht immer angewandt wird. Diese Frage stellt sich beim
asymmetrischen Verfahren nicht mehr:
Die heutzutage üblichste Form der Verschlüsselung
ist bekannt unter dem Namen “Public Key”, also “öffentlicher
Schlüssel”, oder asymmetrische Verschlüsselung. Beim asymmetrischen
Verfahren werden für die Verschlüsselung und die Entschlüsselung
zwei verschiedene Schlüssel verwendet.
In Systemen mit öffentlichen Schlüsseln gibt
es für jeden Teilnehmer ein Schlüsselpaar, bestehend aus einem
öffentlichen und einem geheimen Schlüssel. Was mit dem einen Schlüssel
verschlüsselt wurde, kann nur mit dem dazugehörigen anderen Schlüssel
entschlüsselt werden. Zur Verschlüsselung wird der öffentliche
Schlüssel des Empfängers und der geheime Schlüssel des Senders
benutzt. Dem Empfänger ist es nur mit seinem geheimen Schlüssel
möglich, die Daten zu entschlüsseln. Den öffentlichen Schlüssel
zu kennen reicht nicht aus, um die damit verschlüsselten Nachrichten
lesen zu können. Der geheime Schlüssel läßt sich nämlich
normalerweise nicht aus dem öffentlichen Schlüssel berechnen.
Moderne Verfahren, die zum Beispiel in dem bekanntesten Internetverschlüsselungsprogramm
“Pretty Good Privacy” [502]
sowie in den RSA-Algorithmus [503]
verwendet werden, kommen, richtig angewendet, dem Ideal eines unknackbaren
Verschlüsselungsprogrammes sehr nahe. [504]
Deshalb kann der öffentliche Schlüssel ohne Bedenken verbreitet
werden, womit ein sehr viel geringerer Bedarf an sicheren Transportwegen
besteht als bei herkömmlichen Systemen.
Der geheime Schlüssel verläßt normalerweise
nie den Computer des Benutzers oder er ist auf einer Smartcard gespeichert.
Die Verfahren basieren auf der prinzipiellen Unmöglichkeit,
das Produkt zweier sehr großer Primzahlen in einem zeitlich vernünftigen
Rahmen in seine Faktoren zu zerlegen. Da Primzahlen beliebig groß
sein können, kann auch die Schlüssellänge nach oben variiert
werden. Das Hauptproblem besteht darin, daß die asymetrische Verschlüsselung
des gleichen Textes etwa 100-1000 mal mehr Rechenaufwand erfordert als z.B.
beim symetrischen DES-Algorithmus. Ein weiteres Grundsatzproblem besteht
darin, daß niemand vorhersagen kann, ob die mathematische Forschung
nicht Verfahren zur Primfaktorenzerlegung entdecken wird. Dann würden
alle Sicherheitssysteme, die auf diesen Algorithmen aufbauen, zusammenbrechen.
Weiters bieten die asymmetrischen Verschlüsselungsprogramme
die Möglichkeit, eine Nachricht zu "unterschreiben".
Hierzu kann der Absender einer Nachricht mit seinem
privaten Schlüssel der Nachricht einen digitalen Siegel anfügen
und jeder Empfänger kann die Echtheit des Absenders dadurch prüfen,
daß er versucht, die Nachricht mit dem öffentlichen Schlüssel
des Senders zu überprüfen. Wenn dies gelingt, ist die Nachricht
mit dem privaten Schlüssel codiert, also unterschrieben worden und
wurde zwischenzeitlich nicht verändert. Der Absender ist echt. Diese
beiden Schritte können natürlich miteinander kombiniert werden,
um Briefgeheimnis und Authentizität des Absenders zu gewährleisten:
Die Nachricht wird zunächst mit dem eigenen privaten Schlüssel
codiert und diese unterschriebene Nachricht anschließend mit dem öffentlichen
Schlüssel des Empfängers codiert. Der Empfänger decodiert
die Nachricht zunächst mit seinem privaten Schlüssel und anschließend
mit dem öffentlichen Schlüssel des Absenders. [505]
Dies gewährt Sicherheit sowohl über den unveränderten Inhalt
der Nachricht als auch über die Identität des Senders.
Mit einem asymmetrischen Verfahren läßt
sich auch eine Methode zum Schlüsselmanagement bei symmetrischen Verfahren
gewinnen: Dem symmetrisch verschlüsselten Text wird der asymmetrisch
verschlüsselte Schlüssel beigegeben.
Die asymmetrische Verschlüsselungsart ist ein
Grundstein für die zukünftige Sicherheit des elektronischen Handels.
Auf dieses Fundament können zukünftige Kryptologietechniken aufbauen.
Sie müssen aber auch darauf aufbauen und weiterentwickelt werden. Die
Zukunft des Systems der Verschlüsselung kann nämlich ähnlich
gesehen werden wie das latente Problem der Umstellung des Datums nach dem
Jahr 2000. Die Algorithmen der Verschlüsselung sind aus heutiger Sicht
sicher und man bräuchte enorme Rechenleistungen, die aus heutiger Sicht
nicht zur Verfügung stehen, um diese Algorithmen zurückzurechnen
und damit den Code zu knacken. Da sich aber die Rechenleistung herkömmlicher
PCs, und damit der ganzen Computerindustrie, alle 18 Monate verdoppelt [506],
ist es abzusehen, daß die heute sicher erscheinenden Verschlüsselungsprogramme
in einigen Jahren durch neue ersetzt werden müssen.
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